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Viehumtragen: Immaterielles Kulturerbe Österreichs

Viehumtragen wurde am 2. Oktober 2018 in das Österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen

Viehumtragen am Fest des Hl. Georg (23. April) in St. Georgen im Pinzgau


Die Österreichische UNESCO–Kommission hat über Antrag der Pfarre St. Georgen im Pinzgau, mit Unterstützung des Heimatvereines St. Georgen im Pinzgau, insbesondere in der Person von Klammer Joachim, den Brauch
„Viehumtragen am Fest des Hl. Georg“
mit Wirksamkeit 2. Oktober 2018 in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.


Beim „Viehumtragen“ handelt es sich um einen „Votivfigurenbrauch“, der bereits seit unzähligen Jahren in St. Georgen im Pinzgau am Patrozinium der Pfarrkirche, am Fest des Hl. Georg, das hierorts immer am 23. April gefeiert wird, praktiziert und von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Dabei bitten die „Viehleut“ (bäuerliche Bevölkerung) aus der ganzen Region unmittelbar vor Beginn der sommerlichen Almsaison den Hl. Georg um „Reim“ (Glück) für ihr Vieh. Vor oder nach dem Festgottesdienst wählen sie gezielt eines oder mehrere der geschnitzten Tierfiguren, die vor dem Altar auf einer Truhe stehen. Die Tiere, die ihnen besonders am Herzen liegen, tragen Frauen in der Hand oder in der Seidenschürze, die Männer auch im Hut, um den Altar, werfen eine Opfergabe (Geldspende) ein und stellen die Holztiere wieder vorsichtig zurück. Früher waren es laut Überlieferung Tierfiguren aus geschmiedetem Eisen, diese wurden nach und nach durch hölzerne Tiernachbildungen ersetzt. Die Entwicklung des Brauches steht in Zusammenhang mit einem Vergleich aus dem Jahre 1416 zwischen dem Pfarrer von Zell (am See) einerseits und den Zechleuten und der (Pfarr-) Gemeinde St. Georgen andrerseits, in dem infolge vorangegangener Streitigkeiten die Besoldung des Pfarrers, der von Zell aus die Filiale St. Georgen mitversorgte, neuerlich geregelt wurde. Im Wesentlichen wurde am 1. September 1416 auf ewiglich Folgendes vereinbart: Alle Kälber, Lämmer und andere Dinge, die am St. Jörgen Tag und darnach das ganze Jahr über nach St. Georgen gebracht werden, ausgenommen Wachs, Wolle und Werch, das alles soll dem Pfarrer aus Zell zustehen. Mit diesem Vergleich war auff ein gantz end ewiglich hin genauestens geregelt worden, welche Spenden für den Priester und welche für die Kirche vorgesehen waren.
Im Laufe der Zeit hat sich dieser dem Priester zugedachte Naturalbezug in „Edelmetall“, in ein Geldopfer umgewandelt. Die symbolische Darbringung von Tieren in Form von Votivfiguren behielt man bei gleichzeitigem Erlag einer Geldspende bei. Dabei trug jedes Pfarrmitglied jene Votivfigur um den Altar und spendete deren Geldeswert, die zu spenden er imstande gewesen war. Fanden zunächst geschmiedete Eisenfiguren Verwendung, wurden nach dem Ende des Erzabbaus in der Region sukzessive geschnitzte Holzfiguren verwendet. Nachdem vorerst die Wallfahrer die Figuren noch selbst mitgebracht hatten und im Gotteshaus beließen, wurden in späterer Zeit die in der Kirche ohnedies bereits vorhandenen Figuren gegen ein Opferentgelt ausgeliehen. 
Regulierende Anordnungen und Erlässe des Fürsterzbischofs Colloredo, die kirchenfeindliche Politik der Nationalsozialisten und auch die Modernisierungswelle nach dem 2. Vatikanischem Konzil und der Salzburger Diözesansynode 1968 konnten diesen seit Jahrhunderten gepflegten Votivfigurenbrauch nicht aus dem Gemeindeleben und aus seinem angestammten Platz im Jahresablauf verdrängen.
Hauptmotiv dieses Brauches ist wohl das Opfern, eine zutiefst religiöse Urhandlung des Menschen, durch die er einerseits Dankbarkeit ausdrücken, andererseits das wohlwollende Verhalten höherer Mächte erbitten möchte.
Der Brauch vermittelt das Gefühl von Kontinuität, Tradition und Identität für die Gemeinschaft in St. Georgen, der starke Regionalbezug und die doch tiefe Verwurzelung in der Bevölkerung gewährleisteten deren teils jahrhundertelangen Fortbestand und mögen diesen auch weiterhin sichern.
Nähere Informationen bei: Klammer Joachim, Viehhofweg 5, 5662 Bruck a.d.Glstr. / St. Georgen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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